Vorabveröffentlichung:
Schnellstmögliche Debatte zu Wahlbündnis
UZ-Interview mit Heinz Stehr, Vorsitzender der DKP
Die entscheidenden Kräfte des Kapitals wollen eine Beschleunigung
der Rechtsentwicklung. Rot-Grün hat ausgedient. Kanzler Schröder kann
die geforderten Ziele des Kapitals nicht mehr garantieren.
Die DKP wirbt für eine Bündelung der Kräfte.
PDS, WASG, DKP und andere Linke sind jetzt gefordert schnellstmöglich
größtmögliche Gemeinsamkeiten herzustellen.
UZ: Nach der letzten Bundestagswahl war in der Erklärung des
Sekretariats etwas von labilen parlamentarischen Verhältnissen zu lesen.
Jetzt eine Bestätigung - oder?
Heinz Stehr: Wir haben die politischen Gründe für die
Labilität benannt. Heute zeigt sich, dass die entscheidenden Kräfte
des Kapitals auf eine andere Variante setzen. Sie wollen eine Beschleunigung
der Rechtsentwicklung. Rot-Grün hat ausgedient. Kanzler Schröder kann
die geforderten Ziele des Kapitals so nicht mehr garantieren. Ein
Politikwechsel der SPD nach den Vorstellungen von Nahles und Schreiber kann und
will die SPD-Führung nicht vollziehen. Also versuchen sie die Flucht nach
vorne.
UZ: In der SPD kracht es mächtig. Finden auch deswegen vorgezogene
Bundestagswahlen statt?
Heinz Stehr: Ja, die SPD Mitglieder haben so kaum die Chance Politik zu
diskutieren, sie werden sofort auf den Bundestagswahlkampf orientiert.
Münteferings nebulöse Kapitalismuskritik war eher ein Ventil. Dieses
Vorgehen jetzt ist der Versuch die SPD Mitgliedschaft zu disziplinieren. Der
"Oskar" Bazillus wirkt. Außerdem will die SPD-Führung der
WASG Chancen nehmen, ein langfristiger Wahlkampf ist außerordentlich
schwierig erfolgreich zu organisieren.
UZ: Die Parteien SPD und Grüne verlieren Bindekraft gegenüber
Wählerinnen und Wähler. CDU/CSU/FDP sind zwar vorläufige
Gewinner - langfristiger Sieger wohl kaum. Was macht die Linke?
Heinz Stehr: Entscheidend für politische Veränderung gegen die
Rechtsentwicklung bleibt die außerparlamentarische Bewegung. Die DKP
wirbt für eine Bündelung der Kräfte, so wie es in der
politischen Erklärung durch den 17. Parteitag erneut beschlossen wurde.
PDS, WASG, DKP und andere Linke sind jetzt gefordert schnellstmöglich
größtmögliche Gemeinsamkeiten herzustellen. Dazu ist eine
inhaltliche Debatte und eine Diskussion zu möglichen Wahlbündnissen
nötig. Kommt es zu einem gemeinsamen Vorgehen, so wäre dies eine
Stimulation für Aktionen gegen die Rechtsentwicklung.
UZ: Und wie sieht es mit dem Eigenprofil der DKP aus?
Heinz Stehr: Das ergibt sich hoffentlich aus politischen Inhalten, die wir
erarbeiten müssen und aus unseren Aktionen sowie unserem aktiven Beitrag
zum Kampf gegen Kapital und schwarz-gelber Allianz und rosa-grünen
Neoliberalismusvariante. Wir haben auch gute Erfahrungen mit
Erststimmenkandidaturen sammeln können. Am 4. Juni wird der Parteivorstand
die Diskussion beginnen - auch hier gilt, die Partei hat das Wort - mein
Vorschlag ist, dass wir während der 2. Tagung am 9./10. Juli über die
Wahlbeteiligung entscheiden sollten.
Die Fragen stellte Adi Reiher
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