Getrieben von der kapitalistischen Konkurrenz bei der Jagd nach
höchsten Profiten und vom technischen Fortschritt ist die
Internationalisierung der Ökonomie rasch vorangeschritten und in
Widerspruch zu nationaler Wirtschaftspolitik geraten. Nationale
Wirtschaftsschranken wurden und werden niedergerissen, die Märkte
geöffnet und die Regulierungsfunktionen der Nationalstaaten mehr und mehr
beseitigt. Der Weltmarkt wird zunehmend in ein unbehindertes Operationsfeld
für das internationale Kapital verwandelt. Diese neue Entwicklungsphase
des Imperialismus, dieses höchsten Stadiums des Kapitalismus, wird meist
neoliberale Globalisierung genannt.
Die Zeit der Systemkonkurrenz mit den sozialistischen Staaten war nicht nur
eine zeitweilige Unterbrechung des Austragens zwischenimperialistischer
Widersprüche durch Kriege. Unter dem Druck der Systemkonkurrenz und der
Profitmaximierung vollzog sich im kapitalistischen Teil der Welt ein
Strukturwandel in der Wirtschaft. Es entwickelten sich Strukturen, deren Kern
die Transnationalen Konzerne und Finanzimperien bilden. Die Transnationalen
Konzerne sind durch die intensivierte Ausbeutung des Weltmarkts und die
grenzüberschreitende Zentralisation des Kapitals entstanden.
Das wurde möglich durch neue politische Rahmenbedingungen, insbesondere
durch das schrittweise Ausweiten des so genannten Freihandels mit Waren,
Kapital und Dienstleistungen. Es kam in jahrelangem Ringen durch den
ökonomischen und politischen Druck der Transnationalen Konzerne und ihrer
Regierungen in den Industriestaaten, insbesondere den USA, zustande. Die dazu
geschaffenen imperialen Instrumente sind die Weltbank, der Internationale
Währungsfonds (IWF), regionale Abkommen wie die Europäische Union,
vor allem aber die seit dem 1. Januar 1995 in Kraft getretene
Welthandelsorganisation (WTO). Mit ihrer Hilfe wird seither die volle
Entfaltung der neoliberalen Globalisierung, der imperialistische Dreiklang
Freihandel, Privatisierung und Deregulierung vorangetrieben.
Diese Art der Globalisierung verursacht eine weltweite Spirale der Verarmung
und Verelendung der großen Mehrheit der Weltbevölkerung, auch in den
relativ reichen Industrieländern. Die Schere zwischen der Armut der Massen
und dem maßlosen Reichtum einer kleinen Schicht klafft immer dramatischer
auseinander. Diese Entwicklung zu stoppen ist zu einer Überlebensfrage der
Menschheit geworden.
Diese Globalisierung ist durch das Herausbilden eines zunehmend
dominierenden internationalen Finanzmarktes geprägt sowie durch die
weltweite Vernetzung von Kapital und Produktion. Die Weltwirtschaft wird
weitgehend durch das Wirken transnationalen Kapitals bestimmt. Es dringt in
allen seinen Formen - beschleunigt durch die Deregulierung der
Finanzmärkte und des Kapitalverkehrs sowie gestützt auf die modernen
Transport-, Verkehrs- und Kommunikationstechnologien - in die letzten Winkel
der Erde vor und diktiert die Bedingungen von Produktion, Arbeit und Leben.