Deutsche Kommunistische Partei
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Antrag 3
der Kreisorganisation Neckar-Fils
an die Zweite Tagung
des 17. Parteitags

Der Parteitag möge beschließen, den Programmentwurf in folgender Passage zu ändern. Im Programmteil I. Imperialismus heute lautet dann der zweite Absatz des Abschnitts Ein anderes Europa ist möglich wie folgt:

Der imperialistische Charakter der jetzigen neoliberalen Europäischen Union macht jede Erwartung illusorisch, sie könnte ohne einen grundlegenden Umbruch in ihren gesellschaftlichen Verhältnissen zu einer demokratischen, zivilen und solidarischen Gemeinschaft werden. Solch ein grundlegender Umbruch bedeutet nicht schon sozialistische Umgestaltung, aber auch keine undefinierbare Art von Demokratisierung im Rahmen der gegenwärtigen imperialistischen Machtverhältnisse. Die Macht der Monopole muss auf jeden Fall gebrochen werden. Da sie ihre Herrschaft in der EU vor allem über die Regierungen der Mitgliedsländer ausüben, sind in diesen die Hebel anzusetzen.

Erst wenn es in Mitgliedsländern einem Bündnis der gewerkschaftlichen und politischen Arbeiterbewegung mit der globalisierungskritischen Bewegung und anderen demokratischen Kräften gelingt, in hauptsächlich außerparlamentarischem Kampf - und bei europaweiter Vernetzung - eine antimonopolistische Regierung zu erkämpfen, kann die Vorherrschaft der in diesem Lande beheimateten Transnationalen Konzerne und Finanzimperien eingeschränkt und schließlich gebrochen werden. Das könnte und sollte schließlich den Weg zu einer sozialistischen Entwicklung öffnen.

In diesem EU-weiten historisch-dialektischen Prozess verschmelzen die Kämpfe gegen den Imperialismus des eigenen Landes mit dem gegen den EU-Imperialismus, in dem der deutsche auf Grund seines ökonomischen und politischen Gewichts eine Hauptrolle spielt. So sind Kampf und Widerstand gegen die EU, gegen ihre Stärkung und für die Schwächung des EU-Imperialismus, gegen jede weitere Übertragung nationaler Souveränitätsrechte an die EU sowie einer nach Zweckmäßigkeit schrittweisen Rückgewinnung, zugleich wichtiger Bestandteil des Kampfes gegen den Deutschen Imperialismus, gegen seine erstrebte Vorherrschaft in Europa, gegen seine von der Jagd nach höchsten Profiten geleiteten Weltmachtambitionen.

Nur einer - zunächst wie auch immer gestalteten - zumindest antimonopolistischen Vereinigung Europäischer Staaten sollten Souveränitätsrechte übertragen werden. Nur ein Europa, das gegen den Neoliberalismus und für den Frieden in der Welt arbeitet, würde das internationale Kräfteverhältnis positiv verändern.


Diesem Text nicht entsprechende oder sich überschneiden Passagen im übrigen Entwurf sind anzupassen.

Begründung:

Es sollte bei diesem für die Benennung mittelfristiger Ziele wichtigem Abschnitt keine Illusion gefördert werden, man könnte die heutige EU vielleicht doch noch bei den gegebenen Rahmenbedingungen demokratisieren. Dass dennoch mit Forderungen nach demokratischen Rechten und demokratischen Kontrollen der undemokratische Charakter der EU immer wieder anzuprangern und deutlich zu machen ist, ja manchmal auch Teilerfolge zu erzielen sind, gehört zum täglichen Kampf gegen sie. Zweitens ist für das mögliche andere Europa wenigstens anzuführen, wie es zu erkämpfen sein und in etwa aussehen könnte.

Weitere Begründung zu dem im zweiten Absatz genannten mittelfristigen Ziel, dem Erkämpfen einer Antimonopolistischen Regierung:

Die Wende zu demokratischem und sozialen Fortschritt ist nach jetziger Lage - in nichtrevolutionärer Phase der Entwicklung (Gramcsi nennt und beschriebt dies als Grabenkrieg bei kämpferischem Reformismus) - ein längerer Prozess. Ein glatter Durchmarsch zum Sozialismus ist angesichts des Bewußtseinsstands in der Arbeiterklasse und der Mehrheit der übrigen Bevölkerung nicht möglich. Das erfordert erst recht eine noch viel breitere Bündnispolitik als später im unmittelbaren Kampf für den Sozialismus.

Deshalb bedarf es auch eines mittelfristigen Zieles beim Kampf zur grundlegenden Veränderung der politischen Machtverhältnisse. Dieses mittelfristige Ziel könnte unter der Losung "Brecht die Macht der Monopole" (nicht nur der Hedgefonds, der Wahlkampf-Heuschrecken Münteferings) und mit dem Hauptstoß gegen die Transnationalen Konzerne und Finanzimperien gerichtet, "Antimonopolistische Regierung" heißen. Das ist nicht zu Verwechseln oder gleichzusetzen mit der früher anvisierten Antimonopolistischen Demokratie, die als relativ eigenständige, länger bestehende Periode betrachtet wurde.

Was für die Bündnispolitik unerläßlich ist, ist das Schaffen einer möglichst breiten antimonopolistischen Front, deren Ziel neben unmittelbaren Teilerfolgen eine antimonopolistische Regierung ist, die so zügig wie national und international möglich den Weg zum Sozialismus öffnet.

Kern einer solchen antimonopolistischen Front wären die fortschrittlichsten Teile der Arbeiterklasse, ihre kommunistischen/sozialistischen Parteien, und der Gewerkschaften. Dafür gilt es nicht nur die antikapitalistischen Kräfte, sondern und gerade - anknüpfend am Bewusstseinsstand - auch die "nur" kapitalismuskritischen, oder "nur" globalisierungskritischen, sowie die Sozial- und Sozialforen-, die Natur- und Klimaschutz-, die Antiatom-, die antiimperialistischen, die Friedensbewegungen u. a. zu gewinnen.

Bindeglieder sind der gemeinsame Kampf - wie immer auch es genannt wird - gegen Neoliberalismus, Raubtierkapitalismus, Marktextremismus, Profitjagd und deren Folgen wie Sozialabbau, erpresserische Lohndrückerei, wachsende Armut, gegen Demokratieabbau und Kriegseinsätze im Ausland. Stichworte Jugoslawienkrieg und Deutschlands Verteidigung am Hindukusch.

Beschlossen von der KMV Neckar-Fils in Esslingen am 9.11.2005


5.12.2005
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