Deutsche Kommunistische Partei
» Start » Diskussion

Antrag 4
der Kreisorganisation Neckar-Fils
an die Zweite Tagung
des 17. Parteitags

Der Parteitag möge beschließen, im Programmentwurf den Programmteil IV. Für eine Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt in folgenden Punkten zu ändern:

1.
Im zweiten Absatz gleich hinter "... um die Verteidigung sozialer und demokratischer Errungenschaften gegen die neoliberale Kahlschlagpolitik von Kabinett und Kapital," einfügen:

"um die Verteidigung und je nach Notwendigkeit auch partielle Rückgewinnung nationalstaatlicher Souveränitätsrechte und Regulierungen im Kampf gegen die Transnationalen Konzerne und deren ausführenden Organe wie die EU, ...".

Begründung:

Dadurch würde deutlich, dass gegenwärtig auch nationalstaatliche Souveränitätsrechte Bestandteil des Kampfes sind, fortschrittliche Regelungen im eigenen Land beizubehalten, wiederzuerlangen oder durchzusetzen.

2.
Im dritten Absatz ist im ersten Satz die "Abwehr" und deren Dauer als "einer ganzen Kampfetappe" überbetont. Dadurch entsteht der Eindruck einer programmatisch überwiegend defensiven Haltung. Deshalb als Antrag folgende Neufassung des ersten Satzes:

"Die DKP geht davon aus, dass unter den gegebenen Bedingungen die Abwehrkämpfe gegen das Großkapital jeweils mit einem offensiven außerparlamentarischen Kampf gegen dessen Regierungen zu verbinden sind."

Um die Notwendigkeit der internationalen Vernetzung auch für eine Wende und für einen politischen Macht- und Regierungswechsel in unserem Land zu betonen, ist der Schlußsatz dieses dritten Absatzes so zu fassen:

"Zugleich können und müssen in den Kämpfen zur Verteidigung des Erreichten die Kräfte gesammelt werden für fortschrittlich Reformen, für eine Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt, für einen politischen Machtwechsel hin zu einer antimonopolistischen Regierung, und dies stets verbunden mit zielstrebiger internationaler, europa- und weltweiter Vernetzung der außerparlamentarischen Bewegungen und Kämpfe."

3.
Im vierten Absatz bei der Aufzählung "Heute kämpft die DKP für:" beim fünften oder als zusätzlichen Punkt einfügen:

"Für ein gesetzlich garantiertes politisches Streikrecht der Belegschaften und Gewerkschaften, für eine weitere Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen zugunsten der demokratischen außerparlamentarischen Bewegungen und Kämpfe."

Begründung:

Dies durchzusetzen, gehört zu den Voraussetzungen für einen grundlegenden politischen Macht- und Regierungswechsel.

4.
Die folgenden Absätze 5, 6 und 7 (also mit Ausnahmen des Schlußabsatzes des Abschnitts IV. Für eine Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt) müssen wohl weitgehend vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Hier soll im Absatz fünf des jetzigen Entwurfs Raum für Reformen dadurch geschaffen werden, dass man Reformen durchführt. Z. B. "Umverteilung von oben nach unten" oder "strenge Maßnahmen gegen Finanzspekulation. Kapitalflucht u.ä.", "zumindest Eingriffe in die Verfügungsgewalt des Kapitals", "echte Mitbestimmung und Kontrolle der Arbeiterklasse und ihrer Gewerkschaften in den Betrieben und Unternehmen sowie ihre demokratische Einflußnahme auf den staatsmonopolistischen Regulierungsmechanismus im nationalen Rahmen, wie im Rahmen der EU und anderer internationaler staatsmonopolistischer Institutionen". Eine konkrete Aussage, wer das tun oder wie das funktionieren oder passieren könnte oder soll, fehlt. Sicher, von der existenziellen Notwendigkeit all solcher Maßnahmen müssen die Menschen erstmal überzeugt werden, bedarf es immer wieder der Begründung. Aber genauso davon, dass dies erst verwirklicht werden kann, wenn ein grundlegender Macht- und Regierungswechsel erkämpft wird, eben eine im Kern klar antimonopolistische Regierung.
Dementsprechend ist gleich der zweite Satz des fünften Absatzes, wie man Raum schafft "für soziale und demokratische Reformen", mit den Worten zu beginnen:

"Raum geschaffen werden kann vor allem durch das Erkämpfen einer zumindest im Kern antimonopolistischen Regierung".

Danach folgt, was sie zu tun hätte...
Die Absätze 5 bis sieben sind entsprechend anders zu formulieren
5.
Noch zu Absatz fünf, erster Satz. Ähnlich der defensiven Ausrichtung in Absatz drei auf eine "ganze Kampfetappe von Abwehrkämpfen" werden "die Spielräume für soziale und demokratische Reformen im heutigen Kapitalismus" als "außerordentlich eng" bezeichnet. Das ist Wasser auf die Mühlen der Heerscharen von neoliberalen Politikern, Journalisten und "Wissenschaftlern", die mittels täglicher Gehirnwäsche den Menschen einreden, zu ihrem neoliberalen Kurs gebe es keine Alternative, bekannt als TINA-Syndrom (There is no alternative!). Das "außerordentlich eng" kann auch all jenen Vorschub leisten und zur Rechtfertigung ihrer Passivität dienen, die nicht kämpfen wollen. Und was heißt schon "außerordentlich"? Gibt es dafür einen Maßstab, eine Grenze, die nicht überschritten werden kann? Es wird zu einer Ermessensfrage, was wirklich "außerordentlich" ist.
Antrag:
die Worte "außerordentlich eng" streichen und durch die bescheidenen Worte (die Spielräume... sind) "enger geworden" ersetzen. Daran anfügen:

"Die Spielräume sind dennoch viel größer als dies aufgrund der täglichen Meinungsmache der neoliberalen Wirtschaftsbosse, Politiker, "Wissenschaftler" und deren Medien gemeinhin angenommen wird."

Die weitere Begründung zum mittelfristigen Ziel, dem Erkämpfen einer Antimonopolistischen Regierung, befindet sich bei Antrag 3.

Beschlossen von der KMV Neckar-Fils in Esslingen am 9.11.2005


5.12.2005
© Deutsche Kommunistische Partei (DKP), Baden-Württemberg