Gesundheit ist keine Ware!
Eine optimale Gesundheitsversorgung ist unser aller Recht!
Gesundheit ist keine Ware, die man kaufen und verkaufen kann, mit der man
Geschäfte und Profite machen kann. Gesund zu leben ist ein Grundrecht
für alle Menschen, unabhängig von ihrem Einkommen. Ein solidarisches
Gesundheitswesen darf nicht Gesunde gegen Kranke, Alte gegen Junge und
Besserverdienende gegen Arme ausspielen.
Das sind Grundsätze, die eigentlich völlig selbstverständlich
sein sollten. Die Wirklichkeit im Kapitalismus sieht allerdings anders aus.
Es geht um Systembruch und Lohnraub
Schon die letzte Gesundheits"reform" ging zu Lasten der
abhängig Beschäftigten und der Patienten. Praxisgebühren und
höhere Zuzahlungen für Medikamente und Behandlungen wurden ihnen
aufgebürdet. Die Beschäftigten müssen einen zusätzlichen
Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent des Einkommens bezahlen.
Nun geht es bei der neuen "Reform" um einen fundamentalen
Systembruch. Daran ändern auch die kleinen kosmetischen Korrekturen
nichts, die noch hastig eingebaut werden, um
Sozialhilfe- und Hartz-IV-Empfänger nicht total ins gesundheitliche
Abseits stürzen zu lassen. Der bisherige Lohnbezug und die
paritätische Mitfinanzierung der Unternehmer bei den Beiträgen der
GKV wird erstmalig offiziell gekippt. Die "kleine" Kopfprämie,
d. h. die von den Kassen künftig erhobenen zusätzlichen Beiträge
zu den eigentlichen Versicherungsbeiträgen, und das Einfrieren des
Unternehmeranteils unterhalb der 50 Prozent-Quote sind ein Riesengeschäft
für die Unternehmen. Und für die Versicherten ist das nichts anderes
als ein Lohnabzug, genauer ein Lohnraub in großem Stil.
Linke und gewerkschaftliche Kritik muss an diesen Punkt weitergehen als die
jetzt so oft gebrauchte Formel vom Gesundheitsfonds als einem
"bürokratischen Monster." Mit dieser Terminologie reiht man sich
sonst ungewollt in die Reihe derjenigen Kritiker aus der FDP und den
verschiedenen Lobby-Verbänden aus dem Ärzte- und Pharma-Lager ein,
denen die "Reform" noch immer nicht marktradikal genug ist. Leider
ist auch der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. W. Hoppe, im
Unterschied zu manch anderen Argumenten vergangener Monate auf dem
außerordentlichen Ärztetag voll auf diese Linie eingeschwenkt. Von
dort und auch von der Spitze der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ist
nicht mehr zu hören und zu erwarten, als eine eng auf eigene
ständisch-bornierte Honorarinteressen ausgerichtete Kampagne gegen die
angebliche "Staatsmedizin".
Hauptproblem Arbeitsplatzvernichtung
In den letzten Jahren sind mehr als 1,5 Millionen Arbeitsplätze von den
Unternehmensbossen vernichtet oder durch Billigjobs ersetzt worden. Die Zahl
der Beschäftigten, die mit ihren Beiträgen eine solidarische
Krankenversicherung finanzieren, wird also immer geringer. Die Unternehmer
drücken außerdem seit Jahren Löhne und Gehälter, streichen
und kürzen Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Das sind weitere Beiträge zur
gesetzlichen Krankenversicherung, die dadurch fehlen. Eine wirkliche Reform
müsste dafür sorgen, dass nicht nur die Lohn- und
Gehaltsempfänger Beiträge bezahlen, sondern auch diejenigen, die
andere für sich arbeiten lassen. Auch Kapitaleinkünfte müssen
für die gesetzliche Krankenversicherung herangezogen werden.
Das Institut für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur
für Arbeit berechnet die Wertverluste durch Arbeitslosigkeit im Jahr 2002
auf 232 Milliarden Euro. Derzeit dürften sie bei rund 250 Milliarden
liegen.
Würden durch eine effektive Konjunkturpolitik und ein öffentliches
Beschäftigungsprogramm, finanziert aus einer wirksamen
Vermögenssteuer, nur ein Viertel der Arbeitslosen in Lohn und Brot
gebracht, wären die Debatten über leere Kassen im Gesundheitswesen
und in der Rentenversicherung erledigt.
Regierung sorgt für leere Kassen
Die Bundesregierung hat beschlossen, die Steuerzuschüsse für die
gesetzliche Krankenversicherung (GKV) aus der Tabaksteuer zu streichen. Das
sind 4,2 Mrd Euro. Zusammen mit Belastungen durch die
Mehrwertsteuererhöhung wurden der GKV so 5 Mrd Euro entzogen. Durch diese
Regierungsbeschlüsse steigen die Beiträge im nächsten Jahr um
mindestens 0,5 Prozent. Diese "leeren Kassen" werden dann wieder als
Argument für die weitere Zerschlagung der GKV verwendet.
Gesundheitsfonds
In einem Brief an alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages hat Annelie
Buntenbach, Mitglied des geschäftsführenden Bundesvorstandes des
Deutschen Gewerkschaftsbundes, darauf hingewiesen, dass der sogenannte
Gesundheitsfonds bewusst darauf angelegt ist, dass die Einnahmen nicht
ausreichen, um die Ausgaben zu decken. "Die Bundesregierung soll
ermächtigt werden, per Rechtsverordnung einen Einheitsbeitragssatz und
künftige Erhöhungen festzulegen. Bundestag und Bundesrat haben dann
nichts mehr zu sagen."
Die politisch gewollte "Deckungslücke" wird dann einseitig
auf die Versicherten abgewälzt.
Über den Gesundheitsfonds soll auch der "Wettbewerb" der
Versicherten organisiert werden. Das bedeutet nichts anderes, als Gesunde und
Kranke gegeneinander zu hetzen. Gesunde sollen Geld zurückbekommen, wenn
sie Leistungen nicht in Anspruch nehmen. Diese "Wahlfreiheit" haben
Kranke nicht. Für sie fehlt am Ende das Geld. Künftig wird es dann
nicht mehr nur die Zweiklassen-Medizin für Privatversicherte und
Mitglieder der GKV geben. Innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung wird
das solidarische Prinzip, dass die Stärkeren für die Schwachen
eintreten, zerstört.
Würde der Staat nicht den Konzernen und Superreichen jährlich
Milliarden an Steuern schenken, gäbe es keine "leeren Kassen" in
den Sozialhaushalten.
Die Regierungen von Kohl und Schröder haben den Spitzensteuersatz
mehrmals gesenkt (von 53% auf heute 42%), die Körperschaftssteuer mehrmals
gesenkt (von 56% auf 25%), die Gewerbekapitalsteuer abgeschafft, Steuerfreiheit
auf Veräußerungsgewinne gewährt, Steuerflucht und
Steuerkriminalität der Unternehmer nicht bekämpft. So verzichtet der
Staat jährlich auf hunderte Milliarden Euro und die Konzerne freuen
sich.
Gegenwehr ist nötig
In Umfragen lehnen 75 Prozent der Menschen die Gesundheits"reform"
ab. Es ist notwendig, dass die Mehrheit der Bevölkerung sich jetzt auch
Gehör verschafft. Gesundheit darf nicht den Profitmachern aus
Konzernetagen und ihren Gefolgsleuten in Parteien und Kabinetten
überlassen werden.
Gesundheit ist keine Ware!
Eine optimale Gesundheitsversorgung ist unser aller Recht!
Eine Gesundheitspolitik nach dem Motto "Wer reich ist, kann sich
Gesundheit leisten - wer arm ist, muss früher sterben" darf es nicht
geben!
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