Schavan geht - Die verfehlte Bildungspolitik bleibt
Am 5. Oktober wurde Kultusministerin Annette Schavan aus der Landespolitik
verabschiedet. Vor zehn Jahren hatte sie die Nachfolge des unsäglichen
Mayer-Vorfelder angetreten, der den Schülern im Südwesten unbedingt
beibringen wollte, der Neckar fließe in Heidelberg in den Rhein. Solche
Blößen gab sich Frau Schavan nie. Aber sie war eine knallharte
Vertreterin überkommener Bildungspolitik. Eisern hielt sie am
dreigliedrigen Schulwesen fest, obwohl spätestens nach den PISA-Studien
für eine breite Öffentlichkeit deutlich war, dass dieses Schulsystem
die soziale Spaltung vertieft und weder den Bedürfnissen
"starker", noch denen der schwächeren Schüler gerecht
wird.
Ministerpräsident Öttinger würdigte bei der Verabschiedung
ihren "Reformeifer", der "tiefe Spuren" hinterlassen habe.
Bei den Eltern in Baden-Württemberg erinnert man sich nur zu gut, wie Frau
Schavan, die Zweiteilung des Landes beim Fremdsprachenunterricht in der
Grundschule gegen das überwältigende Votum der Eltern durchpeitschte.
Seither lernen die Grundschüler an der so genannten Rheinschiene in Baden
Französisch, der Rest des Landes Englisch. Das "G8", ein
achtjähriges Gymnasium, das "kostenneutral", ohne Konzepte und
materielle Ausstattung für den Ganztagesbetrieb seit diesem Jahr
flächendeckend durchgezogen wird, haben wir ebenfalls Frau Schavan zu
verdanken. Die Leidtragenden sind die Schülerinnen und Schüler, die
nun unter verschärftem Druck ihre Schulzeit absolvieren müssen.
Annette Schavan hat sich auch nicht gescheut, den antidemokratischen
Knüppel der Berufsverbote wieder zu schwingen und einem jungen Lehrer aus
Heidelberg wegen dessen antifaschistischer Gesinnung die Einstellung in den
Schuldienst zu verweigern.
Frau Schavan ist nun auf dem Wege nach Berlin. Sie wird als Anwärterin
auf einen Ministerposten in einer großen Koalition gehandelt. Zum
Abschied schenkte ihr das Kabinett eine historische Ausgabe von Schillers
"Die Räuber". Vielleicht sollte sie auch einmal in Schillers
"Maria Stuart" lesen: "Des Volkes Wohlfahrt ist die höchste
Pflicht". Sonst müssen sich die kleinen Leute an "Wilhelm
Tell" halten: "Verbunden werden auch die Schwachen
mächtig."
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