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Selbstbedienungsladen Landtag
CDU und FDP setzten im Landtag am 5. Oktober eine automatische
Diätenerhöhung durch. Die Bezüge der Landtagsabgeordneten sollen
künftig jeweils in der Jahresmitte ohne Debatte - und vor allem ohne
öffentliche Aufmerksamkeit - erhöht werden. Das Statistische
Landesamt soll dazu jeweils im Frühjahr eine Prozentgröße aus
den Lohn- und Gehaltssteigerungen der Wirtschaft und des öffentlichen
Dienstes ermitteln. Bislang genehmigen sich die Abgeordneten, die offiziell als
"Teilzeitparlamentarier" gelten (neben der politischen Arbeit soll
auch noch die Tätigkeit im Beruf möglich sein), eine
"Entschädigung" von 4.750 Euro monatlich. Dazu kommt eine
Pauschale von 911 Euro für allgemeine Unkosten wie Wahlkreisbüro und
Briefporto. 394 Euro im Monat gibt's als Tagegeldpauschale. Eine
Reisekostenpauschale wird in der Spanne von 305 bis 775 Euro gewährt.
Kosten für eine Büro- oder Schreibkraft werden extra bezahlt.
Telefon, Fax und Internet im Landtag gibt's kostenlos. Öffentliche
Verkehrsmittel in Stuttgart und die Bundesbahn in Baden-Württemberg sind
gratis.
Nach dem Ausscheiden aus dem Landtag bekommt der Ex-Abgeordnete ein
"Übergangsgeld", wenn er mindestens ein Jahr MdL war. Das sind
drei Monatseinkommen. Für jedes weitere Jahr im Landtag gibt's ein
weiteres Monatseinkommen. Obergrenze sind zwei Jahreseinkommen. Und dann ist da
auch noch die "Altersentschädigung". Die wird ab 63 Jahren und
nach zehnjähriger Zeit im Landtag bezahlt. Sie macht zwischen 30 und 70
Prozent der früheren "Entschädigung" aus. War ein
Parlamentarier dreizehn Jahre im Landtag, kann er schon mit 58 seine
Altersentschädigung genießen.
Für einen Halbtagsbeschäftigten ist das doch ganz ordentlich.
Jetzt versteht man auch, warum es so manchen in die Landespolitik drängt
und warum die Landtagsparteien kein Interesse an öffentlicher
Aufmerksamkeit haben.
SPD und Grüne stimmten zwar gegen den Erhöhungs-Automatismus. Im
Prinzip ist man sich aber mit den Regierungsparteien einig. Allerdings will man
erst den Bericht einer Kommission zur Umstrukturierung der Diäten
hören. Und dann rücken ja auch die nächsten Landtagswahlen
näher.
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9.10.2005
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