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Kapital und Kabinett: Spezis in Stuttgart
Zwischen Kapital und Kabinett in Baden-Württemberg herrscht schon
immer ein inniges Verhältnis. Alles läuft wie geschmiert im Interesse
des Kapitals.
DaimlerChrysler-Boss Jürgen Schrempp hat deshalb jetzt eindeutig
für Ministerpräsident Oettinger Partei ergriffen. Der soll auch nach
der Landtagswahl 2006 dafür sorgen, dass die Großkonzerne im
Südwesten weiter schalten und walten können, wie sie wollen. Bei
einem Treffen stimmten Regierungsspitze und Konzernvertreter vergangene Woche
die politische Linie ab. Die Einnahmen aus der Erhöhung der Mehrwertsteuer
sollen danach nicht zum Stopfen von Haushaltslöchern verwendet, sondern
direkt an die Konzerne weitergereicht werden. "Senkung der
Arbeitskosten" heißt das im gemeinsamen Jargon. Außerdem
wünschen sich die Kapitalvertreter mehr "Flexibilität auf dem
Arbeitsmarkt" und den Abbau von Bürokratie. Dabei dürfte es sich
um die weitere Verschlechterung des Kündigungsschutzes, die
Aushöhlung von Tarifverträgen, Billiglöhne und
Arbeitszeitverlängerung handeln.
Schrempp lobte ausdrücklich den Konsens zwischen Kapitalvertretern und
der Oettinger. Es wundert daher nicht, dass der Ministerpräsident kein
einziges Wort der Kritik an der geplanten Vernichtung von 8.500
Arbeitsplätzen bei Daimler gefunden hat.
Oettingers Vorgänger Teufel hatte dem Daimler-Boss seinerzeit den Titel
eines Ehren-Professors beschafft - unter Umgehung der dafür vorgesehenen
Regeln. Abbau von Bürokratie eben. Man darf also gespannt sein, was sich
Oettinger als Abschiedsgeschenk für den abgehenden Daimler-Boss einfallen
lässt. Wer es bezahlt, dürfte jetzt schon klar sein.
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6.11.2005
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