|
|
DKP Baden-Württemberg für eine gemeinsame Linkskandidatur zur
Landtagswahl 2006
Die Bezirksmitgliederversammlung der DKP Baden-Württemberg hat sich am
19. November 2005 einstimmig für die Unterstützung einer
Linkskandidatur zur Landtagswahl im kommenden Frühjahr ausgesprochen. Der
Beschluss hat folgenden Wortlaut:
- 2006 muss die Chance genutzt werden, eine linke Alternative zu den
neoliberalen Parteien in den Landtag zu bringen. Die DKP tritt deshalb für
das solidarische Zusammenwirken der Linkskräfte im Land ein und ist
bereit, eine gemeinsame linke Kandidatur zu unterstützen.
- Es geht dabei nicht um Stellvertreterpolitik und Posten. Die Menschen
müssen selber für ihre Interessen und Rechte aktiv werden. Das
wesentliche Moment für politische Veränderungen sind deshalb die
außerparlamentarischen Bewegungen und Kämpfe. Linke
Parlamentsarbeit muss sich als Sprachrohr dieser Bewegungen verstehen, Impulse
für Aktionen geben und Mut machen, seine Interessen aktiv zu
vertreten.
- Eine linke Kandidatur für den Landtag muss mehr sein, als die
Absprache über Namen und Kandidaten. Sie muss transparent und offen
sein für alle, die eine Alternative zu Sozial- und Demokratieabbau
voranbringen wollen. Wir unterstützen daher offene Versammlungen und
Kongresse zu inhaltlichen Fragen der Landespolitik und breite Bündnisse
und Kampagnen gegen Arbeitsplatzvernichtung, Sozialabbau und
Militarisierung.
- Der Propagandaleier, dass es keine Alternative zur Politik des
Sozialabbaus, der Massenarbeitslosigkeit, der Privatisierung öffentlicher
Einrichtungen und Dienstleistungen, der Vorfahrt für Profite und
Konzerninteressen gibt, muss gemeinsam Widerstand entgegengesetzt werden.
- Arbeit ist für uns mehr als Maloche. Arbeit ist ein
Menschenrecht. 379.000 Menschen in Baden-Württemberg (offiziell!) ohne
Arbeitsplatz sind eine menschliche Katastrophe, eine Bankrotterklärung
für die Politik der Landesregierung und für die kapitalistische Art
zu wirtschaften. Wir unterstützen die Kämpfe der Beschäftigten
von Alstom, DaimlerChrysler, im öffentlichen Dienst und in vielen anderen
Bereichen, für den Erhalt von Arbeitsplätzen. Der Ausverkauf
landeseigener Einrichtungen muss gestoppt, Privatisierungen
rückgängig gemacht und ein landesweites Arbeitsplatzprogramm
aufgelegt werden. Wir unterstützen eine Politik, die Massenkaufkraft
anhebt und wehren uns gegen Versuche, den Kündigungsschutz auszuhebeln und
die Rechte der Gewerkschaften und Interessenvertretungen zu beschneiden. Wir
sind für Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und
Personalausgleich. Die Arbeitszeitverlängerung im öffentlichen Dienst
von Baden-Württemberg bedeutet Arbeitsplatzvernichtung - sie muss
zurückgenommen werden. Die Landesregierung muss bei Arbeitszeit, Urlaub
und Weihnachtsgeld wieder zu den Tarifverträgen zurückkehren. Wir
wehren uns gegen Billigjobs und Arbeitszwang.
- Jeder Jugendliche hat das Recht auf einen qualifizierten Ausbildungsplatz.
Dieses Recht wird seit Jahren auch in Baden-Württemberg mit
Füßen getreten. Das so genannte "Bündnis zur Stärkung
der beruflichen Ausbildung in Baden-Württemberg" dient nur zur
Verschleierung der Ausbildungsverweigerung der Unternehmer. Wir brauchen
endlich eine Ausbildungsplatzabgabe. Der öffentliche Dienst muss in
Sachen Ausbildungsplätze beispielhaft vorangehen.
- In Baden-Württemberg fehlt massenhaft bezahlbarer Wohnraum. Die
Wohnung darf keine Ware sein. Das Wohnungswesen muss zu einer vorrangigen
sozialen Aufgabe werden, die jede Spekulation, jeden Wucher und jede
Willkür im Umgang mit dem Gut Wohnung ausschließt. Wohnungen in
öffentlichem Besitz dürfen daher nicht verkauft werden.
Baden-Württemberg braucht ein großzügiges Programm für
sozialen Wohnungsbau.
- Gegen eine Politik, die Gesundheit zur Ware macht, öffentliche
Gesundheitseinrichtungen privatisiert und die Beschäftigten im
Gesundheitswesen zu "Sparschweinen" degradiert, muss Widerstand
organisiert werden. Der Anspruch auf eine optimale Gesundheitsversorgung aller
Menschen ist zu garantieren und hat Priorität vor jedem
Profitstreben.
- Wir wehren uns gegen die reaktionäre Frauenpolitik der
Landesregierung, welche soziale Aufgaben des Staates, wie Kranken-, Alten- und
Kinderversorgung, ohne Bezahlung auf die Frauen abwälzt, diese als
Hilfskräfte für Erziehung und Bildung oder als Billigjobberinnen
betrachtet und so die Abhängigkeit vom "männlichen
Ernährer" festschreibt.
- Bildungspolitik in Baden-Württemberg ist gekennzeichnet durch den
Rotstift und eine Orientierung auf Privatisierung und Elitebildung. Wir setzen
dem gleiche Bildungschancen unabhängig von sozialer Herkunft und
Nationalität entgegen. Regelschule muss eine demokratische Gesamtschule
als Ganztagsschule sein, die Kinder und Jugendliche zu selbständig
denkenden Menschen erzieht. Dazu braucht es vor allem kleine Klassen, gut
ausgebildete LehrerInnen und entsprechende finanzielle Ausstattung. Bildung
fängt aber nicht in der Schule an. Wir fordern frühe Bildung und
Förderung in kostenlosen Kindergärten und Horten.
Studiengebühren an den Hochschulen verschärfen die soziale Selektion
und müssen daher verboten werden. Durch die Wiedereinführung der
verfassten Studierendenschaften muss die Mitbestimmung gesichert, und in eine
demokratische Kontrolle der Hochschulen weiterentwickelt werden.
- Demokratie ist mehr als alle paar Jahre ein Kreuzchen zu machen.
Demokratie muss hinter den Betriebstoren den Herr-im-Hause-Standpunkt
überwinden. Die undemokratische 5%-Klausel bei Landtagswahlen muss
abgeschafft werden. Wir brauchen mehr Elemente direkter Demokratie. Wir
unterstützen die Kampagne "Mehr Demokratie in
Baden-Württemberg". Die Berufsverbotepolitik, welche
Baden-Württemberg aktuell wieder praktiziert, muss vom Tisch. Die Opfer
der Berufsverbote müssen rehabilitiert und entschädigt werden. Wir
fordern das Wahlrecht für alle Mensche die in Baden-Württemberg ihren
Lebensmittelpunkt haben.
- Baden-Württemberg muss abrüsten. Das Kommando
Spezialkräfte in Calw, die Speerspitze einer Bundeswehr, die nicht mehr
für Landesverteidigung, sondern für weltweite Interventionen
zuständig ist, muss abgezogen und aufgelöst werden. Die
Bevölkerung muss wissen, was diese geheime Spionage- und Sabotage-Truppe
treibt. Wir wollen keine Hauptquartiere für weltweite Kriegsführung
in Baden-Württemberg. Wir brauchen Konversionsprogramme für die
Rüstungsindustrie und eine Sondersteuer für
Rüstungsprofite.
- Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Wir sind
für die Auflösung aller Neo-Naziorganisationen nach Artikel 139 des
Grundgesetzes. Wir brauchen keine Politiker, die mit ausländerfeindlichen
Sprüchen Stimmung machen. Wir wehren uns gegen
Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Stimmungsmache gegen Muslime im
Zuge einer geschürten Terrorismushysterie. Wir halten daran fest, dass
alle Menschen, die hier leben, auch gleiche Rechte haben sollen. Die
Aushöhlung des Asylrechtes und die rigide Abschiebungspolitik lehnen wir
ab.
- Die Energie- und Wasserversorgung gehört in öffentliche
Hand und darf nicht den Profitinteressen der Konzerne überlassen werden.
Der Preistreiberei der Energiekonzerne muss ein Riegel vorgeschoben werden. Die
Koppelung von Öl- und Gaspreis muss abgeschafft werden. Die Atomkraftwerke
in Baden-Württemberg sind als Sicherheitsrisiko unverzüglich still zu
legen. Wir brauchen ein landesweites Programm zur Förderung regenerativer
Energien.
- Geld ist genug da! Es ist nur in den falschen Händen. Die
großen Konzerne machen Profite wie noch nie und bilden gigantische
Kriegskassen für weltweite Übernahmeschlachten. Diese Profite
müssen für soziale Aufgaben und die Schaffung von Arbeitsplätzen
eingesetzt werden. Statt Sozialprogramme zu kürzen und die "kleinen
Leute" mit höheren Gebühren, Abgaben und Steuern zu belasten,
muss das Geld dort geholt werden, wo es ist: Bei den Konzernen und Banken, bei
den Reichen.
|
12.10.2005
|
|