Geld am Hindukusch oder in Mannheim?
1.263.300.000 Euro (in Worten: eine Milliarde
zweihundertdreiundsechzigmillionen dreihunderttausend Euro) betragen inzwischen
die seit Jahren gestiegenen Schulden der Stadt Mannheim bei der Kämmerei,
den Eigenbetrieben und kreditähnlichen Rechtsgeschäften. Die Stadt ist
immer weniger in der Lage, ihre Aufgaben für die Bürger zu
erfüllen.
Das Problem gibt es in fast allen Kommunen. Die Ursache dafür liegt in
den seit vielen Jahren zu geringen Finanzzuweisungen an die Städte und
Gemeinden. Aus der Gemeinderatszeit Walter Eberts (DKP) gibt es keine Rede von
ihm zum Stadtetat, in der er nicht vor den Folgen eindringlich gewarnt
hätte; immer wieder forderte er die Gemeinderäte auf, sich endlich zu
wehren.
Zusätzlich werden den Kommunen ständig von Bund und Land Aufgaben
übertragen, für die sie keine oder viel zu geringe Mittel erhalten.
Ein Beispiel dafür ist das Kindergartengesetz, wonach jedes Kind ab dem
dritten Lebensjahr einen Anspruch auf einen Kindergartenplatz hat. Ein solches
Gesetz war überfällig, doch der Bund beschließt und lässt
sich für etwas feiern, was die Kommunen dann bezahlen müssen.
Auch die Landesregierung wälzt die Kosten für ihre Beschlüsse
gerne nach unten ab. Bei der Umsetzung des Armutsgesetzes Hartz IV sollten die
Kommunen einen Teil der Mietkosten erstattet bekommen, nämlich 29,1 %, das
sind 2,5 Milliarden Euro. Das Land Baden-Württemberg erhält daraus
132 Millionen Euro vom Bund, gibt aber nur 33 Millionen davon an die Kommunen
weiter. So bekommt die Stadt Mannheim statt 12,5 Millionen Euro ganze
zweieinhalb, das heißt, es fehlen allein hier zehn Millionen Euro in der
Stadtkasse.
Durch die vom Bund beschlossenen Senkungen der Einkommenssteuer - unter
anderem die zweimalige Kappung der Spitzensteuersätze - sind die
Finanzzuweisungen an die Gemeinden noch einmal gesunken.
Das Argument, der Bund habe kein Geld, kann jedoch nicht gelten. Der Staat
könnte genügend Geld haben, wenn er die Konzernprofite und die
Spitzenverdiener anders besteuern würde. Vor allem aber muss er endlich
das gigantische Aufrüstungsprogramm stoppen.
Deutschland muss nicht am Hindukusch verteidigt werden. Sondern in Berlin,
Stuttgart und Mannheim.
aus: "Mannheim konkret" -
Zeitung der DKP Mannheim,
Februar 2006
|