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Reinhard Püschel ist DKP-Gemeinderat in Heidenheim.
Bei der Landtagswahl kandidiert er für die WASG.
Ein Widerspruch?
Im Interview mit Dieter Keller spricht er über seine
Herangehensweise an die Wahlen und über die
Notwendigkeit außerparlamentarischer Aktionen.
Es geht um solidarisches Zusammenwirken der Linkskräfte
UZ: Du bist getragen vom Wählervertrauen für die DKP im
Gemeinderat. Bei der Bundestagswahl wurdest du auf die Landesliste der PDS
gewählt. Nun bist du für die WASG Direktkandidat. Das ist ein
großer Vertrauensbeweis für dich. Was sind deine Beweggründe
dafür und ist das den Heidenheimer Wählerinnen und Wählern
plausibel zu machen?
Reinhard Püschel: Viele Heidenheimer kennen mich als einen
Kommunalpolitiker, der auf der Seite der "kleinen Leute" steht. Mit
den etablierten Parteien haben die Menschen schlechte Erfahrungen gemacht. Die
Linke hat erstmals die Chance, gemeinsam als Wahlalternative aufzutreten. Sie
kann so Stärke und Durchsetzungsvermögen demonstrieren. Ich und meine
Partei, die DKP, wollen mithelfen, dass die Linke eine ernstzunehmende und
konsequente Opposition wird und endlich eine Stimme der sozialen und
außerparlamentarischen Bewegung in den Landtag einzieht.
UZ: Die DKP verzichtet in Baden-Württemberg auf eine eigene
Kandidatur zur Landtagswahl. Sie ruft auf die WASG zu wählen und wird
diese unterstützen. Dies obwohl die DKP weitergehende antikapitalistische,
sozialistische Positionen hat. Ist das kein Widerspruch?
Reinhard Püschel: Nein, das ist kein Widerspruch.
Unabhängig von Wahlen steht die DKP vor der Aufgabe beim Kampf um aktuelle
Probleme ihre Zukunftsperspektive den Sozialismus nicht zu vergessen.
Dafür wollen wir die Menschen gewinnen. Doch es geht bei diesen Wahlen
nicht um Sozialismus. Es wäre viel zu schön, wenn dem so wäre.
Es geht um das solidarische Zusammenwirken der Linkskräfte im Land. Der
Propagandaleier, dass es keine Alternative zur Politik des Sozialabbaus, der
Massenarbeitslosigkeit, der Vorfahrt für Profite und Konzerninteressen
gibt, muss gemeinsamer Widerstand entgegengesetzt werden.
UZ: Wie macht ihr das konkret vor Ort?
Reinhard Püschel: Ich habe mit den Freunden der WASG vor Ort ein
gutes Verhältnis. Bei regelmäßigen Sitzungen planen wir den
Wahlkampf. Als DKP-Freunde konnten wir 104 Unterstützungsunterschriften
von insgesamt 180 beisteuern. Als Wahlkreiskandidat habe ich
Aktionsvorschläge vorgestellt, die wir auch abarbeiten wollen. Die
DKP-Ortsgruppe macht eigene Wahlversammlungen und ist bei WASG-Infoständen
mit Genossen/innen dabei. Die Plakatierung wird ein großer Kraftakt sein.
Bei der Organisierung werde ich wohl die Federführung übernehmen
müssen.
UZ: Die WASG steht für Arbeit und soziale Gerechtigkeit.
Dafür stehen wir Kommunistinnen und Kommunisten auch. Was sind konkret
deine Schwerpunkte in diesem Wahlkampf?
Reinhard Püschel: Erstens: In Heidenheim haben einige
große und kleine Firmen ihre Schließung bzw. Verlagerung
angekündigt. Tausende Menschen sind von Arbeitslosigkeit betroffen. Als
Landtagskandidat habe ich meine Solidarität bekundet. Betroffen sind nicht
zuletzt die Menschen die zur Miete wohnen. Hier sehe ich einen meiner
Schwerpunkte. Ich bin Vorstandsmitglied im Kreismieterverein (DMB). Die
Heidenheimer Baugesellschaft hat nicht nur das Monopol über die
Mietwohnungen, sondern schwimmt auch noch im Geld. Mit Mieterversammlungen und
Wohngebietsbegehungen werden wir die Baugesellschaft an ihre Vermieterpflichten
erinnern.
Zweitens: Baden-Württemberg ist Rüstungszentrum, Heimat der
Killerkommandos wie das KSK in Calw, Hauptquartier für Kriegseinsätze
und Tummelplatz von Neofaschisten und Rassisten zugleich. Was ist dagegen zu
tun? Das Kommando Spezialkräfte (KSK) in Calw, das in Afghanistan an
Kampfeinsätzen beteiligt ist, muss unverzüglich zurückgeholt und
aufgelöst werden. Die Bevölkerung hat ein Recht, alles über das
Treiben dieser Spionage- und Sabotage-Truppe zu erfahren. Quasi vor unserer
Haustüre wurde Ulm mit dem "Kommando Operative Führung
Einsatzkräfte" zum Kommandostab für die so genannten
"Battle groups", die in der ganzen Welt eingesetzt werden sollen. Wir
brauchen keine Hauptquartiere für weltweite Kriegsführung. Wir
brauchen vielmehr Konversionsprogramme für die Rüstungsindustrie und
eine Sondersteuer für Rüstungsprofite.
Und drittens: Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Nach
Artikel 139 des Grundgesetzes sind alle Neo-Naziorganisationen aufzulösen.
Wir brauchen auch keinen Einbürgerungstest. Damit will die CDU nur die
Stimmen aus dem rechten Lager holen. Wir halten daran fest - alle Menschen, die
hier leben, sollen auch gleiche Rechte haben.
UZ: Die Landtagsparteien wollen diese und andere
"bundespolitische" Themen aus dem Wahlkampf heraushalten. Doch sind
es nicht oft bundespolitische Entscheidungen, die aufs Land und die Kommunen
durchschlagen?
Reinhard Püschel: Bei meiner Rede zum städtischen Haushalt
bin ich unterbrochen worden, weil ich nicht zur "Sache" sprechen
würde. Vieles was in Bund und Land beschlossen wird, müssen die
Städte und Gemeinden, die Bürger vor Ort ausbaden. Bund und Land
geben den Kommunen immer weniger finanzielle Mittel, sie bekommen aber immer
mehr an Aufgaben aufgebürdet. Es sind gerade bundespolitische
Entscheidungen verantwortlich für die oftmals katastrophale Situation in
den Kommunen.
UZ: Landauf, landab hören wir von den Parteien, das Wichtigste
sei der Wahltermin. Was wäre die wichtigste Aufgabe der WASG, aber auch
von uns Kommunisten?
Reinhard Püschel: Bei der letzten Bundestagswahl haben die
großen Parteien viel versprochen. Schon wieder müssen wir erkennen,
dass dies nur leere Wahlversprechen waren. Die außerparlamentarischen
Kräfte müssen Druck auf die Abgeordneten und ihrer Parteien machen.
Die WASG muss sich als Verfechter der sozialen und außerparlamentarischen
Bewegung verstehen. Wir Heidenheimer Kommunisten haben deshalb Erfolg, weil wir
unser Ohr bei der Bevölkerung haben und für deren Interessen
eintreten.
UZ: Die Gewerkschaft ver.di befindet sich im Streik, die IG Metall
vor einer harten Tarifauseinandersetzung. In den Medien und vom
Unternehmerlager werden die Forderungen diskreditiert und als gegen die
Bevölkerung gerichtet dargestellt. Wie siehst du das?
Reinhard Püschel: Arbeit ist ein Menschenrecht. Fast 400 000
Menschen in Baden-Württemberg ohne Arbeitsplatz sind eine menschliche
Katastrophe. Eine Bankrotterklärung für die Politik der
Landesregierung und für die kapitalistische Art zu wirtschaften. In
Heidenheim unterstützen wir die Kämpfe der Beschäftigten bei
EPCOS, PLOUCQUET, C. F. MAIER und DRILLBOX. Wir sind für
Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Die
geforderte Arbeitszeitverlängerung im öffentlichen Dienst von
Baden-Württemberg bedeutet Arbeitsplatzvernichtung. Diese ist gegen die
Bevölkerung und die noch Beschäftigten gerichtet. Der
Öffentliche Dienst darf nicht zum Einfallstor für eine
flächendeckende Arbeitszeiterhöhung werden. Sie muss mit allen
Kräften verhindert werden. Wir unterstützen den Streik und die
Streikenden bei ver.di ebenso wie die IG Metall in ihrem Kampf um fünf
Prozent mehr Lohn.
UZ-Interview vom 17.2.2006
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