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Argumente zum Streik im öffentlichen Dienst
Bloß ein Viertelstündchen?
Die Arbeitgeber wollen die Arbeitszeit für die Beschäftigten im
öffentlichen Dienst von 38,5 auf 40 Stunden erhöhen. Dagegen sind die
Beschäftigten in den Streik getreten. Seitdem werden sie und die
Öffentlichkeit mit Vorhaltungen und Argumenten gegen den berechtigten
Arbeitskampf zugeschüttet. Aber die Argumente der Arbeitgeber sind
falsch!
- Die Arbeitgeber sagen:
- Jeden Tag 18 Minuten länger zu arbeiten, sei doch nur eine Kleinigkeit
und absolut zumutbar.
- Wir sagen:
- 1½ Stunden Mehrarbeit pro Woche bedeuten bei einer Arbeitszeit bis
zum 65. Lebensjahr zwei Jahre, bei einer Lebensarbeitszeit bis 67 sogar 4 Jahre
Mehrarbeit. Arbeitszeitverlängerung von 18 Minuten täglich bei
gleichem Lohn- und Gehalt sind gleichbedeutend mit einer Lohnsenkung von 3,9
Prozent.
Wenn 18 Minuten tägliche Mehrarbeit nicht der Rede wert sind, wie die
Arbeitgeber behaupten, dann könnten sie die tägliche Arbeitszeit doch
auch um 18 Minuten verkürzen! Dadurch könnten 50 000 neue Stellen in
Baden-Württemberg geschaffen werden.
- Die Arbeitgeber sagen,
- die öffentlichen Kassen sind leer, der Staat ist praktisch pleite und
kann sich deshalb vieles nicht mehr leisten.
- Wir sagen:
- Jawohl, die öffentlichen Kassen sind leer. Sie sind leer, weil die
rot-grüne Regierung Großverdiener, Unternehmen und
Kapitalgesellschaften mit Steuergeschenken nur so überschüttet hat.
Der Steuerausfall beziffert sich im Vergleich zum Jahr 2000 auf über
100 Milliarden Euro. Heute liefern Raucher über die Tabaksteuer mehr beim
Finanzminister ab als sämtliche Konzerne, Aktiengesellschaften und GmbHs
zusammen. Und die schwarz-rote Koalition plant weitere Steuergeschenke für
die Konzerne.
- Die Arbeitgeber erklären,
- wer einen so sicheren Arbeitsplatz hat, wie die Beschäftigten im
öffentlichen Dienst, muß bei fünf Millionen Arbeitslosen auch
bereit sein, kleinere Einschränkungen in Kauf zu nehmen.
- Wir sagen:
- In den letzten 15 Jahren wurden in den Kommunen rund ein Drittel aller
Stellen gestrichen. Neueinstellungen erfolgen heute zum Großteil nur noch
befristet. Von Arbeitsplatzsicherheit kann also keine Rede mehr sein.
- Viele sagen:
- Aber der Streik gegen die Arbeitszeitverlängerung bringt
Unannehmlichkeiten für viele auf öffentliche Dienste angewiesene
Bürgerinnen und Bürger.
- Wir sagen:
- Das stimmt natürlich. Nur: Arbeitszeitverlängerung bedeutet immer
Arbeitsplatzabbau. Die Erhöhung der Wochenarbeitszeit um 1½
Stunden würde allein bei der Stadt Stuttgart zum Abbau von 400
Arbeitsplätzen führen.
Die Arbeitsplätze, die heute infolge der verlängerten Arbeitszeit
abgebaut werden, bleiben verschwunden und stehen somit auch zukünftig
Arbeit suchenden Menschen nicht mehr zu Verfügung. Und es wird nicht bei
der 40-Stunden-Woche bleiben! Schon fordert Ministerpräsident Koch die
Einführung der 42 Stunden-Woche im öffentlichen Dienst.
Wenn es den Arbeitgebern gelingt, die 40-Stunden-Woche durchzusetzen, ist
dies beispielhaft auch für alle anderen Branchen. Die Konsequenzen
wären die rasante Vernichtung von hunderttausenden Arbeitsplätzen und
damit von Zukunftschancen der jungen Generation.
Erfolg oder Misserfolg des Arbeitskampfes im öffentlichen Dienst
entscheidet so über Lebensqualität und Lebenschancen in vielen
Bereichen. Die streikenden Kolleginnen und Kollegen kämpfen also nicht
für sich allein, sondern für uns alle.
Sie brauchen deshalb auch alle Unterstützung und Solidarität
für ihren Kampf.
DKP Stuttgart
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23.2.2006
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