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28.9.2009
DKP zum Wahlausgang: Auf Widerstand einstellen!
Erklärung der DKP zum Ausgang der Wahl des Deutschen Bundestages
- Wir gratulieren der Partei DIE LINKE zu ihren großartigen
Wahlergebnissen.
- Die Große Koalition wurde abgewählt. Die Koalitionsparteien
erzielten - die niedrigere Wahlbeteiligung kaschierte das - teils dramatische
Stimmenverluste: Die CSU erreichte in Bayern ein desaströses Wahlergebnis;
die CDU erzielte ihr zweitschlechtestes Wahlergebnis in der Geschichte der
Bundesrepublik; die SPD erlebte ein Debakel und fiel noch hinter ihr Ergebnis
aus dem Jahre 1953 zurück.
Die Wählerinnen und Wähler haben den bisherigen Regierungsparteien
die Quittung für ihre unsoziale Politik und die Beteiligung der Bundeswehr
am Krieg in Afghanistan gegeben.
Das sollte von der SPD auch bei den anstehenden Regierungsbildungen in
Thüringen, Brandenburg, Schleswig-Holstein und im Saarland beachtet
werden.
Positiv hervorzuheben ist, dass die DVU bei der Landtagswahl in Brandenburg
nur noch 1,2 Prozent erreichte und nicht mehr in den Landtag kam.
- Die CDU-Vorsitzende will "Kanzlerin aller Deutschen sein". Ihr
Engagement für den Afghanistankrieg, für den Einsatz deutscher
Soldaten in aller Welt, für den Abbau sozialer und demokratischer Rechte
sowie ihr Antikommunismus disqualifiziert ihren Anspruch: Frau Merkel ist
Kanzlerin des Bürgertums und des großen Kapitals!
- Die Unionsparteien können aufgrund der Gewinne der FDP die neue
Regierung bilden. Ein Paradox dieser Wahlen ist, dass ausgerechnet inmitten der
tiefsten Krise des neoliberalen Kapitalismus und dem globalen Desaster der
neoliberalen Ideologie eine offen neoliberale Partei ihr bestes Wahlergebnis
erzielen kann.
Der Zuwachs für die FDP erwächst jedoch nicht aus einer
allgemeinen Wanderung der Wählerinnen und Wähler zu radikaler
neoliberaler Politik, sondern basiert im Wesentlichen auf Verschiebungen
innerhalb des "bürgerlichen" Lagers, von CDU/CSU zur FDP, und der
Wahlenthaltung ehemaliger SPD-Wähler.
- Die SPD fiel am Wahlabend in Schockstarre. Sie hat ein katastrophales
Wahlergebnis erreicht, deprimierend für alle Mitglieder und
Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer. Die großsprecherisch
angekündigte Aufholjagd von Steinmeier, dem Erfinder der Agenda 2010, hat
zu einer bitteren Niederlage geführt.
Zwei Millionen bisherige Wählerinnen und Wähler der SPD von 2005
sind gar nicht erst zur Wahl gegangen. Seit 1998 hat die SPD damit insgesamt
zehn Millionen Wählerinnen und Wähler verloren. Die SPD vertritt keine
gesellschaftliche Alternative und ist Trägerin des Neoliberalismus
geworden.
- Die SPD will nun die Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Ob die
Ursachen für dieses Desaster nun aufgearbeitet werden und ein
"radikaler Erneuerungsprozess", wie ihn die Juso-Vorsitzende fordert,
in der SPD angestoßen wird, muss angesichts des Führungspersonals
Müntefering und Steinmeier Skepsis hervorrufen.
Auch die Klärung des irrationalen Verhältnisses zur Partei DIE
LINKE steht an. Konkrete Prüfsteine liegen in den Bundesländern
Brandenburg, im Saarland und in Thüringen, in denen eine Zusammenarbeit mit
der Partei DIE LINKE möglich ist oder erneut Bündnisse mit der CDU
angestrebt werden.
- Die Bündnisgrünen konnten sowohl bei der Bundestagswahl als auch
bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Schleswig-Holstein Stimmengewinne
erreichen.
- Die Partei DIE LINKE wurde bei der Bundestagswahl zur viertstärksten
Kraft, blieb bei der Landtagswahl in Brandenburg nur knapp hinter der SPD zweite
Siegerin und kam bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein erstmals in den
Landtag. In Ostdeutschland wurde die Partei DIE LINKE bei der Bundestagswahl mit
27,4 Prozent zweitstärkste Kraft und selbst in Westdeutschland erreichte
sie nach ersten Angaben durchschnittlich 8,7 Prozent, im Saarland sogar 21,2
Prozent.
Dies ist das Ergebnis ihrer wahlpolitischen Positionen und des Einsatzes
ihrer Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer, die für viele
Bürgerinnen und Bürger vor allem aufgrund der sozialen Forderungen
sowie der Antikriegspolitik zu einer politischen Alternative geworden ist.
- Die DKP hat mit Ausnahme in Berlin mit einer Landesliste und zwei
Erststimmenkandidaten bei den Bundestagswahlen nicht kandidiert, sondern
außerparlamentarischen Aktivitäten Vorrang gegeben.
In Berlin wurden nach einem aktiven, engagierten Wahlkampf insgesamt 1.903
Stimmen (0,1 Prozent) erreicht, 0,2 bzw. 0,4 Prozent für die
Direktkandidaten.
- Der Wahlausgang signalisiert: Jetzt kommen harte Jahre. Die Zeiten werden
rauer. Es wird in Deutschland kontroverser zugehen.
Außerparlamentarischer Widerstand der Gewerkschaften und der sozialen
Bewegungen wird dringender denn je. Wenn dem zu erwartenden sozialen Kahlschlag
und der Abwälzung der Krisenlasten auf die große Mehrheit der
Bevölkerung durch die Schwarz-Gelbe Regierung wirksamer Widerstand
entgegengesetzt werden soll, dann werden die Gewerkschaften jetzt beginnen
müssen, den politischen Streik etappenweise vorzubereiten.
Die Kommunistinnen und Kommunisten der DKP werden auch weiterhin alles in
ihren Kräften stehende tun, um die Aktivitäten der sozialen Bewegungen
zu unterstützen und die Zusammenarbeit mit der Partei DIE LINKE und anderen
demokratischen und antifaschistischen Kräften zu fördern.
Wir danken allen Mitgliedern und Vorständen der DKP für ihr
aktives Engagement in den Wahlkämpfen 2009.
Essen, 28. September 2009
Sekretariat des Parteivorstandes der DKP
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